Allein & Erziehend…oder, leben im Organisationszirkus…Manege frei!

Wie lange ich darüber schon schreiben will…jetzt muss ich es tun.

Wir alle setzen Kinder in die Welt, wohl durchdacht und immer mit dem Anker Mann/ Frau dahinter, um dann eben mitreden zu können bei dem Thema: Familie. So weit, so gut und es funktioniert. Aber, dann gibt es Ereignisse, die dich allein & erziehend den Rest durch das Leben gehen lassen. Auch so weit und so gut und es funktioniert.

Wenn da nur nicht der Alltag wäre…gar nicht so einfach…und ich jammere mit nur einem Kind schon *kopfschüttel* Na ja weniger jammern, eher mal so feststellen und denen, die keine Ahnung haben von uns Alleinerziehenden, nen Einblick verschaffen – ja so ists gemeint.

Anmerkung vorab: Ich spreche deshalb nicht von alleinerziehenden Müttern, weil es da draußen sehr wohl auch genügend Väter gibt, die sich dieser Aufgabe stellen. Nicht vergessen!

Wie ist das nun so, alleinerziehend? Kann ich euch sagen…schizophren, aber geil! Ja, du bist 14 Tage lang (Klassikmodell) in einem Organisationszirkus gefangen und keiner klatscht Applause. Und jedes zweite Wochenende drehste durch…und wenns nur auf der Couch in Ruhe sitzen ist.

Innerhalb der 14 Tage hast du sämtliche Sinnesorgane beim Kind. Und wo früher die Wand kahl war, hängt jetzt so ein Terminkalender, fein säuberlich beschrieben…mehr mit den Terminen für das Kind, als mit deinen 🙂 Auch dein Tagesablauf an jedem einzelnen Tag ist prall gefüllt. Meiner sieht 14 Tage lang so aus: Aufstehen…alleine. Duschen…da gehts schon los, denn plötzlich kommt das Kind schlecht gelaunt aus meinem Bett gekrabbelt und ist traurig, dass Mama nicht noch kuschelnd im Bett liegt…und reißt die Badezimmertür auf….das ist so verdammt kalt unter der Dusche…da könnte ich schon das erste Mal kotzen morgens.Aber nein, da biste schmusig zum Kind, damit wenigstens er einen guten Start in den Tag hat. Und wenn du Glück hast ist es dankbar, wenn nicht, mach ihm schnell einen Kakao (wohlgemerkt, du bist nur mit einem Handtuch bewaffnet und frierst soooo…)

Hat er seinen Kakao…wo du natürlich die ganze Zeit zuschauen musst und ihn anfeuern musst, wie prima alleine er das schon kann (wirklich, mein Kind mag das) ist die Chance auf weitere entspannte 10 min. etwas größer als noch vor einer halben Stunde. Sobald er den Kakao fertig angerührt hat, parkst du ihn schnell am Esstisch und duscht zu Ende….schnell, verdammt schnell.

Dann erstmal Kaffee…und durchatm….ach nee, jetzt kommt er nicht an die Cornflakes ran und ningelt…ooookkkkkk. Ach und anziehen muss er sich ja auch noch….wieder anfeuern.

Als er dann endlich am Frühstückstisch sitzt, schon besser gelaunt und ich mich dazu setze, kehrt das erste Mal etwas Entspannung ein. Na ja nicht wirklich – wir trödeln und müssen eigentlich los. Das passt ihm natürlich nicht…mich fragt ja keiner.

Endlich Zähne geputzt und fertig angezogen, fällt ihm auf, dass er seine 253 Spielsachen noch schnell sortieren muss…ja warum nicht…meine Haut färbt sich hellgrün – ihr versteht?

Und wehe, hier schreit einer KONSEQUENT…ihr könnt mich mal! Ich bin morgens gegen 6 Uhr weder geduldig, noch hab ich Bock darauf pädagogisch wertvoll zu agieren. Ich beschwere mich auch nicht, ich gestatte lediglich einen Einblick.

Endlich, endlich sind wir angezogen und laufen die Straße runter zur Ampel. Augen auf, Straßenverkehr. Obwohl, das macht er großartig.

Nach ca. 25 Minuten, an einem guten Tag, (alleine dauert dieser Fußweg übrigens gerade mal 10 min.) sind wir an der Kita – noch nicht drin.

Weitere 15 min. später steht er ausgezogen im Kitaraum (bald ist Sommer und Schluss mit diesem Angepelle und Ausgepelle – YEAH!) und wir verabschieden uns innig…wirklich. Das ist der erste Moment, wo ich denke: Los komm Rakete, wir machen uns nen dicken Tag zu Hause und essen Pommes und Nutella…auf der Couch. Aber nein, ich muss arbeiten.

Nach 8 h Arbeit laufe ich im Rhytmus zur Musik die 5 Minuten zur Kita und freue mich auf mein Kind…und das kann nach hinten losgehen. Denn wie ich, hatte er auch einen 8h Tag und wer weiß, welche „Kollegen“ ihm heute auf den Sack gingen. Es bleibt also spannend. Meist freut er sich aber.

Der Nachhausweg ist gepflastert mit abenteuerlichen Entdeckungen (auch nach 4 Jahren noch), ein bis zweimal bockig sein (mal er, mal ich), dem sehnsüchtigen Blick zum Bäcker rüber und dem imaginärem Drachenbekämpfungsmodus im Waldstück, ich die Prinzessin. Wenn wir dann zu Hause sind, meist gegen 17.30 Uhr…hat er Hunger. Aber solchen Hunger, dass ich und auch die Nachbarn kurzzeitig denken, er würde nichts bekommen in der Kita oder gleich mit bluntunterlaufenen Augen an mir knabbern.

Ich mache also Abendbrot für uns…ratet, wer immer zuletzt am Tisch sitzt und dann fast schon wieder abräumt. Danach habe ich ca. 30 min für den Haushalt – schafft man. Er spielt in seinem Zimmer oder bastelt (das bedeutet übrigens: Kleber, Schere und Papier…alles wird geschnippelt, bestempelt und geklebt). Manchmal ist er auch ein Feuerwehrmann und rettet die Prinzessin aus der Burg, oder ein Lego Star Wars Freak mit Schwert…in jedem Fall meine Zeit, ihn dabei zu beobachten und mich zu freuen. Ab und zu darf ich auch mal der Ritterkumpel sein und wir schleichen gemeinsam auf die feindliche Burg zu.

Dann Sandmann! Wenn der geschafft ist, Zähne putzen. Allabendlicher Groove zum Waschraum (wie er es nennt): er die Hook, ich am Lachen…wir beide tanzen. Danach ab ins Bett…Jaaaaaaa, denke ich. Er sieht das etwas anders und plötzlich fällt ihm alles ein: Pipi, Hunger, kalt, Bauchweh, Teddy weg, Monster…ihr kennt das.

Wenn wir das dann geschafft haben gibts eine Gute-Nacht-Geschichte – wir lieben das beide.

Dann Licht aus, kleines Nachtlicht an und die Rakete singt oder guckt sich noch ein Buch an…meistens schläft er dann…spätestens gegen 21 Uhr. Und dann ist es still in der Wohnung…so schön still….und ich müde. Super Arrangement das.

Noch schnell die Termin checken, das blöde Faschingskostüm nähen, kleben, reißen (muss ja immer selfmade sein – bin ich bescheuert), die Legobausteine aus dem Hochfloorteppich popeln und die Bettdecke der Rakete noch mal aufschütteln. Ahhhh…ich hab vergessen in der Kita Bescheid zu sagen, dass wir morgen die U8 haben und er später kommt…da haben wirs, an alles muss man allein denken.

Ja, das ist nur die Hälfte von allein & erziehend im Alltag. Alles machst du alleine…mit Kind. Du entscheidest, wie du auf seine Aktionen reagierst, du entscheidest, ob er nun doch noch einen Lolli haben darf oder nicht, du entscheidest, ob du jetzt streng bist oder kuschelig…ganz allein. Das kann fetzen, muss es aber nicht immer. Manchmal würdest du gern noch so 10 Minuten Bedenkzeit haben wollen, bevor du reagierst und dem Partner die pädagogisch wertvolle Erziehung überlassen, einfach weil du kaputt oder verunsichert bist. Oder dich gern austauschen, Pläne schmieden, den Raum verlassen, wenn Rakete durchdreht…Aber das geht ja nicht. Und so fragst du dich oft am Ende des Tages, ob es dem Kind helfen würde, wenn du nicht alleinerziehend wärst oder ob es doch nur dir helfen würde 😀

Du darfst auch niemals, wirklich niemals auf deinem Einkaufszettel etwas vergessen zu notieren…bist du erstmal raus aus dem Laden und hast etwas vergessen…bemerkt er es immer…zu Hause! Und du kannst nicht mal eben noch mal schnell los. Auch hier ist Einfallsreichtum gefragt und so gab es auch schon mal Joghurt hoch 3 zum Abendbrot…ohne Brot.

Wenn du mitten in der Woche gern mal einen Termin wahrnehmen möchtest, sei es Arzt, Friseur, Freundin und Kaffee oder einfach mal Kino auf nen Mittwoch (wo die Karte nicht gleich 12 EUR kostet)…vergiss es! Das kannste dann alle 14 Tage am Wochenende hinbiegen…für 12 EUR! Selbstverständlich schaffen wir Alleinerziehende es grandios zu kombinieren…auf dem Spielplatz…wir auf der Bank, sie den Kaffee, ich die Brötchen…für die Kinder natürlich.

Auf Arbeit wirds nicht besser…du musst pünktlich zum Feierabend den Stift fallen lassen, denn du musst ja dein Kind aus der Kita abholen – niemand macht das für dich! Entweder hast du verständnisvolle Chefs oder man blickt dir mit Unverständnis entgegen und in deinem Arbeitszeugnis steht irgendwann:“….na ja übereifrig war sie ja nun nicht gerade..und sowieso nur Teilzeit mit 37,5 h.“ Aber Freunde, dass du mehr als 30h in der Woche arbeitest, um dich und dein Kind auch finanziell über Wasser halten zu können…steht da leider nicht drin. Wie man es macht…

Also bewegst du dich im Spagat (immer noch Zirkus) zwischen Kinderbetreuung, Job und atmen. Hey, aber alle 2 Wochen kannst du für 2 Tage auf der Couch gammeln, alle Termin auf 48h drücken und alle Welt dann immer so: „boaaahhh, nur unterwegs wenn se kindfrei hat…krass.“ Das wirkt nur so. Was ich in 48h durchhaste, schafft ihr verteilt auf die 2 Wochen. Es ist zwar intensiver für mich, weil eben so kurzweilig, aber ich hätte gern mal ein Zeitfenster von 7 Tagen für mich, ganz ehrlich.

Und jetzt stellt euch mal vor, da soll noch was in Sachen Liebe gehen…hahahahahaha, wann denn? Wie soll man denn jemanden kennenlernen. Ich dann so: „Hey, ich bin spontan…so alle 14 Tage für 48h.“ Nicht witzig! Vor allem, wie willst du jemanden kennen lernen? Schwierige Kiste…aber ich bin Optimistin und wenn es mir passiert irgendwann und es das wert ist, halte ich es fest und kämpfe…mit dem Laserschwert der Rakete, wenns sein muss! Denn, noch immer gilt: Happy wife, happy life 🙂

Du entwickelst dich zum Leiter des Organisationszirkus und wächst mit deinen Aufgaben. Die nächste Bewerbung enthält dann wirklich als Jobtitel die Überschrift: Managerin eines Zirkus. Klingt doch ganz interessant.

Das Kuriose ist, du bekommst es immer wieder aufs Neue hin. Manchmal wirkst du zwar wie die total verhuschte, gestresste Mutter dieser Rakete, aber das hat auch was – Sympathie von all denen, die mit Respekt kurz hier gelesen haben und denken: Klasse macht sie das.

Und so bin ich voller Energie…allein deshalb schon, weil ich ganz alleine heute den Nachhauseweg mit dem Star Wars Krieger beschreite und ein Transformer, aber als Prinzessin, sein darf und in Höhe des Bäckers gegen 17 Uhr mit einem freaky Grinsen alleine entscheide: Klar darfste noch ein Schweineohr meine Rakete! Keiner kann uns was! Zucker für immer und wir 2!

Manege frei…er ist das Äffchen, ich die Dompteurin – meine Entscheidung…ganz allein 🙂

Hereinspaziert!

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